Ausstellungsraum Social Media

Museale Praxis zwischen algorithmisierten Aufmerksamkeitsökonomien und TikTok-Trends

Autor/innen

DOI:

https://doi.org/10.11576/ao-8726

Schlagworte:

Aufmerksamkeit, Museum, Social Media, Diffraktion, Aufmerksamkeitsökonomien

Abstract

Abstract (Deutsch)

»Very considerate, very demure«, mit dieser Phrase betitelten zahlreiche User:innen im August 2024 ihre Kurzvideos auf TikTok, als der Trend #demure auf der Kurzvideoplattform viral geht. Teil dieser plattformspezifischen Dynamiken: Museen, die sich seit den coronabedingten Schließungen zunehmend an viralen Ästhetiken und Plattformlogiken orientieren. Ausgehend von diesem Trend untersucht der vorliegende Beitrag anhand empirischer Beispiele, wie museale Institutionen TikTok als Ausstellungsraum nutzen, um Aufmerksamkeit für ihre Inhalte zu generieren und sich in die viralen Trendlogiken der Plattform einzuschreiben. Aufbauend auf medien- sowie sozialtheoretischen Aushandlungen zur Plattformisierung von Museen zielt die vorliegende Auseinandersetzung auf eine diffraktive Perspektivierung des Konzepts der ›Aufmerksamkeit‹ im Kontext Social Media. Ausgehend von dem Begriff der ›Zerstreuung‹ als vermeintlichem Gegensatz zu Aufmerksamkeit, wird das Konzept der Diffraktion der feministischen Wissenschaftstheoretikerin Donna J. Haraway produktiv gemacht und als analytische Linse genutzt, um die komplexen Konfigurationen und Verschränkungen von Aufmerksamkeit im Kontext digitaler Plattformen wie TikTok sichtbar zu machen. Die empirischen Beispiele zeigen auf, wie Aufmerksamkeit nicht als Größe in Erscheinung tritt, die in direktem Gegensatz zu bestimmten anderen Phänomenen steht, sondern als relationales, höchst dynamisches und durch ökonomische, politische, ästhetische und technologische Dimensionen hindurch erzeugtes Phänomen. Dabei eröffnet die Analyse neue Perspektiven auf die Plattformisierung musealer Öffentlichkeiten und leistet zugleich einen innovativen Beitrag zur soziologischen Theoretisierung von Aufmerksamkeit im Kontext kultureller Praxis und Sozialer Medien.

Autor/innen-Biografie

Isabelle Sarther, FernUniversität in Hagen

Curriculum Vitae Seit Mai 2023 Wiss. Mitarbeiterin am LG für Digitale Transformation in Kultur und Gesellschaft an der FernUniversität in Hagen Mai 2022 – April 2023 Studentische Mitarbeiterin am LG für Digitale Transformation in Kultur und Gesellschaft an der FernUniversität in Hagen Feb. – April 2022 Praktikum am Deutschen Historischen Institut in Warschau (DAAD-Kurzstipendium) Okt. 2021 – Feb. 2022 Auslandsstudium an der Uniwersytet Jagielloński in Krakau, Polen 2020 – 2022 Wissenschaftliche Hilfskraft am LG Soziologie mit dem Schwerpunkt soziale Ungleichheiten an der TU Dortmund 2020 – 2022 Mitglied im Studierendenkolleg des Hans Kilian und Lotte Köhler-Centrums der Ruhr-Universität Bochum 2020 – 2022 Deutschlandstipendium (gefördert durch Köhler-Stiftung und BMBF) 2019 – 2023 Master of Arts Sozialwissenschaft im Studienprogramm „Kultur und Person“ (1,0) an der Ruhr-Universität Bochum

Titel der Abschlussarbeit: "Remembering to forget? Infrastrukturen des Erinnerns und Vergessens im digitalen Zeitalter. Eine Untersuchung musealer Institutionen auf Twitter" Okt. 2018 – Feb. 2019 Auslandsstudium an der Universidad Complutense in Madrid, Spanien Feb. – April 2018 Praktikum im BMBF-Projekt „Aufseher – Vermittler – Animateure. Zur Rolle des Servicepersonals bei der kulturellen Bildung im Museum“ an der TU Dortmund 2017 – 2020 Studentische Hilfskraft am LG Soziologie mit dem Schwerpunkt soziale Ungleichheiten an der TU Dortmund 2016 – 2020 Bachelor of Arts Sozialwissenschaft (1,1), Ruhr-Universität Bochum

Titel der Abschlussarbeit: "Go and #killyourselves dairy farmers! Totalitäre Identitätskonstruktionen bei veganen Selbstbildern"
Forschungsfokus
  • Forschungsschwerpunkt digitale_kultur
  • (Feminist) Science and Technology Studies
  • Human-Animal-Studies
  • Content Moderation
  • Digitale Teilöffentlichkeiten / ‚Social Media‘
  • Museumsforschung
Publikationen Monographien
2025 Sarther, Isabelle: Infrastrukturen des Erinnerns und Vergessens. Content Moderation im Kontext musealer Vermittlung auf Twitter. Marburg: Büchner [zum Buch]. 2022 Groth, Karla; Laser, Stefan; Sarther, Isabelle; Schirrmacher, Jennifer: Artenübergreifende Fürsorge? Die Corona-Pandemie und das Mensch-Tier-Verhältnis. Bielefeld: transcript. [Open Access]
Artikel in Fachzeitschriften und Sammelbänden
2026, i.V. Sarther, Isabelle: Social Media als diffraktiver Ausstellungsraum. Museale Praxis zwischen algorithmisierten Aufmerksamkeitsökonomien und TikTok-Trends, in: Artis Observatio. Allgemeine Zeitschrift für Kunstsoziologie und Soziologie der Künste. 2025, i.E. Sarther, Isabelle: Content Moderation as Practice and Object of Digital Hermeneutics. An Infrastructural Analysis of the Auschwitz Museum on Twitter, in: Möbus, Dennis; Hemmje, Matthias; Leh, Almut; Nawroth, Christian; Störl Uta (Hrsg.), Digital Hermeneutics II: Sources, Analysis, Interpretation, Annotation, and Curation. Lecture Notes in Computer Science. Wiesbaden: Springer VS. 2024 Sarther, Isabelle: Raubtierdressur im Zirkus, in: Gudehus, Christian (Hrsg.), Gewaltpraktiken. Reichweite und Grenzen einer praxeologischen Gewaltforschung. Gießen: Psychosozial-Verlag.
Online-Beiträge
2025 Sarther, Isabelle: From Twitter to X. How digital publics challenge the memory politics of the Auschwitz-Birkenau State Museum, in: Digital War Publics. Mediating, Narrating and Archiving Violence in the 21st Century. [Zum Artikel] 2024 Fischer, Julia; Sarther, Isabelle; Eickelmann, Jennifer: Transparenz als Allheilmittel? Soziale Medien im Spannungsfeld von DSA und zivilgesellschaftlichen Problematisierungen, in: GAAP_The Blog. 2021

Sarther, Isabelle: Das umkämpfte Museum in Gdańsk: Geschichtsvermittlung als nationalistisches oder europäisches Konstrukt?, in: Blog ‚Der Osten im Westen‘, hrsgg. v. Agnieszka Zagańczyk-Neufeld, Ruhr-Universität Bochum. [zum Artikel]

Vorträge 2026 "#plattformpolitik – Macht, Sicherheit und die Illusion der Transparenz auf TikTok", gemeinsam mit Julia Fischer im Rahmen der "#TikTokTalks - Pädagogik und Social Media" an der FernUniversität in Hagen, 2026. 2025 "Mehr-als-menschliche Spürtechniken: Nachhaltigkeitsversprechen und Katastrophenszenarien im Spannungsfeld von Technik, Tier und Umwelt", Posterpräsentation auf der Frühjahrstagung "Nachhaltige Technik, technisierte Nachhaltigkeit?" der DGS-Sektionen Wissenschafts- und Technikforschung sowie Umwelt- und Nachhaltigskeitssoziologie, TU Dortmund, 26. Juni 2025. 2025 "Social Media as Infrastructure: Content Moderation and the Infrastructuring of Holocaust Memory", Tagung "Infrastructural Turn. How Materiality Shapes Exhibitions about Difficult Pasts", Deutsches Historisches Institut Warschau, 29. - 31. Mai 2025. 2025 "Sensing More-Than-Human Care. Zur performativen Verschränkung von Tiertechnologien und Naturkatastrophen", Vorstellung des Dissertationsprojektes im Arbeitskreis Soziologie der Tier-Mensch-Beziehungen der DGS-Sektionen für Umwelt- und Kultursoziologie, 17. Januar 2025.

2024

"Ausstellungsraum Social Media: Museale Praxis zwischen algorithmisierten Aufmerksamkeitsökonomien und kuratorischen Entgrenzungen", Jahrestagung "Aufmerksamkeitsökonomien in der Kunst: Inszenierungen, Events, Skandale" der AK Soziologie der Künste, Universität Leipzig, 24.Oktober 2024. 2023 "Infrastructures of Remembering and Forgetting. An Empirical Study of the Auschwitz Museum on Twitter", Jahrestagung "Digital Hermeneutics II: Sources, Analysis, Interpretation, Annotation, and Curation" des FSP digitale_kultur der FernUniversität in Hagen am Campus Standort in Frankfurt, 23. November. 2023

"Infrastrukturen des Erinnerns und Vergessens im digitalen Zeitalter", Offene Jahrestagung der Sektion Medien- und Kommunikationssoziologie der DGS am KWI Essen, 6. Oktober.

2023

"Artenübergreifende Fürsorge als Notwendigkeit transformativer Mensch-Tier-Beziehungen?", zusammen mit Karla Groth und Jennifer Schirrmacher (RUB), Tagung "Transformationen der Mensch-Tier-Beziehungen: Ursachen, Dynamiken und Folgen", veranstaltet vom Lehrgebiet Umweltsoziologie mit dem Schwerpunkt Transformationsforschung der TU Dortmund, 15. September.

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Veröffentlicht

2026-03-06

Zitationsvorschlag

Sarther, I. (2026). Ausstellungsraum Social Media: Museale Praxis zwischen algorithmisierten Aufmerksamkeitsökonomien und TikTok-Trends. Artis Observatio. Allgemeine Zeitschrift für Kunstsoziologie Und Soziologie Der Künste, 5, 51–85. https://doi.org/10.11576/ao-8726

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