(Un-)Gewollte Aufmerksamkeit
Überlegungen zu einer Soziologie des Kunstskandals
DOI:
https://doi.org/10.11576/ao-8734Schlagworte:
Kunstskandale, Differenzierungstheorie, Aufmerksamkeitstheorie, Manet, Beltracchi, KunstsoziologieAbstract
Der Artikel startet mit der Beobachtung, dass es die Soziologie von Kunstskandalen bislang nicht vermocht hat, die empirische Vielfalt von Skandalen angemessen zu erfassen. Ziel ist es vor diesem Hintergrund, erste Bausteine zu einer Systematisierung zu entwickeln, die nicht nur unterschiedlich gelagerte Skandale im Bereich der Bildenden Kunst unterscheidbar macht, sondern auch weitergehende Vergleichsmöglichkeiten über das Kunstfeld hinaus bietet. Angeknüpft wird dafür an aufmerksamkeitstheoretische Überlegungen, die den Blick für Aufmerksamkeit schaffende, skandalisierungsfähige Aspekte schärfen. Dazu zählen u.a. auch in einem differenzierungstheoretischen Sinne Grundwerte und Spielregeln von sozialen Feldern. Für die bisherige Betrachtung von Kunstskandalen zeigt sich, dass ein Masternarrativ dominant ist, das vor allem die autonomiegenerierenden Skandale der frühen Moderne zum Vorbild hat, in denen es um das selbstbewusste Ausstellen formal-ästhetische Innovationen ging. Dieser Prototyp an Kunstskandalen zeichnet das moderne Kunstfeld in besonderem Maße aus, aber er ist bei weitem nicht der einzige. Gerade unter aufmerksamkeitstheoretischen Aspekten zeigt sich, dass es auch Skandale gibt, für die ungewollte Aufmerksamkeit typisch ist. Sie unterscheiden sich damit vom Prototypus, ähneln aber Skandalen, die man etwa auch im politischen Feld finden kann.
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